Botschaft zum Weltfriedenstag 2011


Die am 2. September 2011 in Wien gestartete Friedensradfahrt von/nach Bosnien-Herzegowina endet an ihrem 20. Tag, dem UNO-Weltfriedenstag am 21. September in Sarajevo. Im Rahmen einer öffentlichen Kundgebung zum Weltfriedenstag in Sarajevo (veranstaltet vom Friedensnetzwerk Bosnien-Herzegowina) wird eine von Teilnehmern/innen der Friedensradfahrt unterzeichnete Botschaft verlesen, die im Folgenden dokumentiert wird. Auf der PressInfo-Seite ist die Botschaft in Deutsch und Englisch als PDF zu finden.

BOTSCHAFT der Friedensradfahrt in BiH

Wir sind zwei Wochen durch alle Teile Bosnien-Herzegowinas geradelt. Wunderbare Landschaften und berührende Begegnungen mit Menschen an zahlreichen Orten haben uns einen tiefen Eindruck hinterlassen.

  1. Wir haben in BiH Menschen getroffen.
    Auch wenn wir BosniakInnen, SerbInnen oder KroatInnen, bzw. MuslimInnen, orthodoxe oder katholische ChristInnen, gesehen und gesprochen haben, haben wir entdeckt, dass immer dann, wenn das Menschsein der Menschen und nicht ihre ethnische Zuordnung im Vordergrund steht, die einzelne Person als MitgestalterIn des Lebens auf allen Ebenen und als Bürger/in eines Staates wichtig wird.
    Aus unserer gewaltfreien Grundhaltung steht die Achtung der Würde jedes Menschen im Mittelpunkt – unabhängig von seiner Nation, Religion und anderen Unterschieden, die für uns Außenstehende sowieso kaum erkennbar waren.
  2. Wir sind „Brückenbauern/innen“ begegnet.
    Die ethnische Zugehörigkeit begründet allzuoft (un)sichtbare Gräben und Mauern zwischen den Entitäten und Volksgruppen, in einzelnen Städten und Orten, ja selbst innerhalb von Familien. Wer es wagt Brücken zu bauen, Grenzen zu überschreiten wird oft als Verräter betrachtet anstatt in seinem Mut zum Brückenbauen gewürdigt.
  3. Wir haben viele Geschichten des Leidens gehört.
    Diese Erfahrungen sind anzuerkennen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit braucht Zeit, aber sie ist not-wendig für Heilung und Versöhnung. Es gibt so vieles, das lähmt und resignativ machen kann und so die eigene Initiative hemmt. Eine Befreiung davon eröffnet neue Möglichkeiten für neues Handeln. Regionale Wahrheits- und Versöhnungskommissionen können dafür einen geeigneten Rahmen schaffen.
  4. Wir haben Zeichen der Hoffnung auf ein gutes Leben in der Zukunft gesehen.
    Einerseits ist von einer gemeinsamen Zukunft und einer guten Entwicklung des Landes für ein friedliches Zusammenleben wenig spürbar und viele sehen mehr Probleme als Lösungsansätze. Viele Menschen sind von der bosnischen und internationalen Politik trotz hoher Erwartungen enttäuscht. Andererseits ist BiH seiner Geschichte nach eindeutig Teil Europas. Die Frage ist, wie diese Integration in der Region, in Europa und global am besten von statten gehen kann.
  5. Wir wollen die Verbundenheit von Menschen aus BiH und Österreich weiterhin fördern-
    * Das größte Hoffnungspotential sehen wir in der Jugend, und hier könnte die EU mit ihren Jugend- und Austauschprogrammen ein „Friedensprojekt“ sein. Wichtig wäre unserer Meinung nach auch die Förderung einer Friedenskultur, die schon jetzt durch das lokale Friedensnetzwerk aufgebaut wird, durch europäische Programme.
    * Durch die Er-Fahrung des Landes mit dem Fahrrad sehen wir Entwicklungsmöglichkeiten im touristischen Bereich, aber auch für uns schwer verständliche Versäumnisse im Bereich des Umweltschutzes. Die Idee einer „Friedensradfahrt“ in Österreich mit bosnischer Beteiligung im Jahr 2012 ist eine Idee für die Zukunft.
    * Anlässlich des Jahres 2014 (Beginn des 1. Weltkriegs und Gründung des IVB) haben wir die Vision einer großen Friedens-Veranstaltung in Sarajewo für ein Europa des Friedens in Zusammenarbeit von bosnischen und internationalen Friedensorganisationen. +++

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